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Freitag, 22. Januar 2010

Grimmige Zeiten



Es ist kurios, wie schnell man sich wieder an einen Trott gewöhnt. Der Zauber des "Neuen" ist Manchester glaube ich indes völlig abhanden gekommen, aber darüber bin ich nicht besonders böse. So schön es ist, aufgeregt und gespannt einer neuen Umgebung entgegen zu blicken, so froh bin ich doch, dass ich meine Routine entwickelt hab. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Was nicht heißt, dass ich nicht auch Neues erlebe. Gestern war ich zum Beispiel mit den Mädels zum ersten Mal im Theater (Ja - wir haben es ENDLICH geschafft, Tickets zu ergattern, obwohl die französisch-italienische Mentalität ja besagt, dass man alles auf den letzten Drücker machen kann...argh!) und hab mir "Grimm Tales" in der Zentralbibliothek angeschaut. Zwei Stunden lang wurden Märchen auf eine besonders kreative und musikalische Art und Weise vorgetragen, von der ich wirklich begeistert war. Wenn die Darsteller bei dem, was sie tun, Spaß haben, überträgt sich das automatisch aufs Publikum. Und das ist in frenetischen Beifall ausgebrochen, als mit ner ulkigen Interpretation von Rotkäppchen der Schlusspunkt gesetzt wurde. Wer Interesse hat, kann sich ja mal das Video von den Proben anschauen.

War wie gesagt sehr erheiternd. Kontrastprogramm gab es dann abends mit Julia, die mich ins Kino zu "The Road" geschleift hat. Ist ein Film mit Viggo Mortensen und oh mein Gott, wenn man schon Depressionen hat, sollte man sich den unter keinen Umständen anschauen. War aber an sich recht gut, nur das Ende hat meines Erachtens nicht wirklich gepasst. Aber ich scheine mich hier ohnehin zum Filmebemäkeler zu entwickeln, hab ja schon Avatar in die Tonne getreten, von dem ja jeder sooo begeistert ist (*hust*). Geschmackssache halt, nech? Heute hat die liebe Julia auch Geburtstag, gefeiert wird allerdings morgen, worüber ich ganz dankbar bin. Bei dem verregneten Wetter geht man (außer zum Sporteln) nicht gern vor die Tür.


Unitechnisch bin ich deswegen aber nicht faul. Ich habe endlich Antwort auf meine Anfragen bzgl. Semesterinfos bekommen und feile jetzt schon an einem Essay, den ich im Mai einreichen muss (diesmal sinds stolze 4000 Wörter, mal sehen, wie mich der Wordcount da in die Knie zwingen wird). Daher bin ich nicht untätig, auch wenn ich im eigentlichen Sinne Freizeit hab. Ich hasse es nur, wenn zwei Wochen lang Sackgang vorherrscht und dann
der ganze Stress von Neuem auf einen hereinbricht. Daher: was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Dem radikalen Feminismus wende ich mich deshalb gleich noch zu, aber zuerst gibts was zu mümmeln und dann gönne ich mir noch Snoopys Kapitel zum Korrekturlesen bei einer heißen Tasse Tee. So lässt sich ein regnerischer Freitagnachmittag doch verleben!

Hoffe, ihr kommt gut ins Wochenende!

Stoffi

P.S.: Ach so, bevor ich's vergess: ich hab mir ein kleines Schnäppchen gegönnt. Eine neue Tasche, weil die alte zerfleddert war. Von 18 Pfund runtergesetzt auf 3 ist meines Erachtens nicht schlecht :) Man schaue hier:


Donnerstag, 17. Dezember 2009

Pocahontas meets Star Wars


Gestern war ich im Kino, um mir den Superdupermegatollenspitzenstreifen (oder so ähnlich) "Avatar" anzuschauen, von dem ja überall geschwärmt und geprahlt wird, wie teuer doch die Produktion war und überhaupt. Nun ja. Die Begeisterung, die diesem Film zuteil wird, konnten Ester und ich nicht wirklich teilen. Versteht mich nicht falsch, die Bilder waren fantastisch und das 3D-Erlebnis im Kino ist ohnehin ne Klasse für sich, aber einen guten Film macht nicht nur das Visuelle aus. Und irgendwie ist es dann doch zu bemängeln, wenn man vergeblich auf sowas wie ne Handlung wartet. Von vorn bis hinten berechenbar, aus 1001 Klischees zuammengestrickt und hier und da von bekannten Filmen geklaut, sodass man insgesamt den Eindruck hatte, in nem Mix aus Pocahontas und Star Wars zu hocken. Und dann noch nicht mal in nem wirklich guten Mix. James Cameron beweist, dass man nicht mal US-Amerikaner sein muss, um die Pathoskeule zu schwingen. Gott, was ist mir bei manchen Szenen schlecht geworden vor triefenden Stereotypen, Patriotismusgeplänkel und absoluter Schwarzweißmalerei. Ewww...also...ich weiß auch nicht. Entweder liegt's an mir oder den Filmemachern fällt wirklich nichts mehr ein. Von der Länge hab ich ja noch gar nicht gesprochen. Hab mir den Hintern fast 3 Stunden plattgesessen und die letzten 45 Minuten geistig auf Sparstrom umgestellt. "Nein, denk nicht über das nach, was du gerade siehst, tu's einfach nicht", lautete da mein simples Mantra. Vielleicht gehe ich auch zu harsch mit dem Genre ins Gericht, aber ich hab wirklich schon bessere Fantasystreifen gesehen. Aber ein Publikum, das sich zu Millionen für Twilight begeistern kann, wird mir sicherlich mit überschwänglichem Lob für diese Produktion zu widersprechen wissen. Ich kann den Film nicht empfehlen und werde mich hüten, es zu tun. Ob ich mir die deutsche Version antue, ist demnach auch sehr fraglich. Am Ende macht die deutsche Synchro alles noch n bissl schlimmer.

Apropos Deutsch: Meine Koffer sind gepackt, ich bin eigentlich so gut wie startklar. Der Wecker klingelt morgen um 3.45 Uhr und dann geht's ab. Bitte Daumen gedrückt halten, dass mir eine Odyssee wie auf der Anreise erspart bleibt. Ich will wirklich nur noch heim und meine Liebsten wiedersehen. Bis dahin gilt es, irgendwie müde zu werden. Hab zwar letzte Nacht schon probehalber nur 5 Stunden Schlaf abgefasst, aber bin definitiv noch zu agil. Mal sehen. Werde gleich noch Staub saugen, vielleicht lässt das ja meine Muskeln erschlaffen.

Jedenfalls...ist das der letzte Post aus Manchester in diesem Jahr, wir lesen uns wieder, wenn ich in D-Land bin. Ach so, eins noch: Habe AVT bestanden. Juhuuu! Jetzt kann der Urlaub kommen!

Wünsche euch einen schönen Abend. Wer auch immer meinen Schund überhaupt noch liest. Apropos: werde demnächst Zugänge löschen von denen, die hier entweder noch nie oder schon sehr lange nichts mehr gesagt haben. Hab einfach keine Lust, "Lesegeister" in meinem Blog herumschwirren zu haben. Nur als Vorwarnung. Hier besteht keine Kommentarpflicht, versteht mich nicht falsch, aber ich weiß nicht, wer hier noch wirklich liest und demnach muss ich n bissl aufräumen.

So...hätten wir das auch geklärt. Nun denn...bis bald!

Stoffi

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Chrismukkah!


So lautet das Motto für unsere erste Untertitelungs-Leistung. Chrismukkah - die Mischung aus dem christlichen "Christmas" und dem jüdischen "Hanukkah" ist Dreh- und Angelpunkt einer OC California Folge aus deren erster Staffel. Also nichts zwingend Lustiges. Amy, Charlotte und ich haben innerlich schon ein sehr ironisches Hurra! gebrüllt, als uns Luís gestern den Clip und die Spotting List präsentierte. Ein Alptraum! Zahllose Shotwechsel, in die der Dialog hineinfließt, viel zu schnelle verbale Schlagabtäusche, die es alles andere als leicht machen werden, das Zeitlimit einzuhalten. Ein Untertitel muss mindestens eine Sekunde auf dem Bildschirm zu sehen sein, weil er sonst nicht wahrnehmbar ist; andererseits muss zwischen zwei Untertiteln mindestens ne Brücke von 300 Millisekunden liegen. Ich glaub, ich fahre am besten, wenn ich Luís Vorlage gleich komplett umschreibe. So wie er die Sequenzen gesetzt hat, ergeben Untertitel und Bildsequenzen keinen wirklichen Sinn, ein reines Fiasko. Als ob das nicht schon so eine harte Nuss zu knacken wäre, gilt es zudem noch ein Leitthema für den Kommentar zu finden, eine Kern-Frage also, auf die wir uns strategisch beim Untertiteln beziehen. Eine Sitcom wäre so schön gewesen - perfekter Einstieg ins Genre, Humor ist ohnehin schwer zu handhaben in den Untertiteln, findet man massig Literatur zu. Aber nein, es muss n Teenie-Drama sein. Na schönen Dank. Da hat Luís die Kurve auch nicht mehr kriegen können, als er meinte, er habe den Clip ausgewählt, weil er so schön auf Weihnachten einstimmen würde. Äh...ja. Wir geben das Ding Mitte November ab, nicht Dezember. Sehr seltsam, wie hier alles schon in Adventslaune ist! Es ist beinahe so, als würde man den November gar nicht wahrnehmen. All meine Dozenten reden schon von Weihnachten, Luís gibt uns diesen Clip, Emma denkt über Adventskalender nach und ich frage mich, ob ich was verpasst hab. Wir haben doch noch Oktober, oder?

Nun ja. Jetzt hab ich erstmal ab Montag offiziell "Reading Week", will heißen vorlesungsfreie Woche, in der wir mit unserem Arbeitspensum aufholen können/sollen/müssen. Ich werde die Woche wohl mit Untertiteln zubringen, suuuper. Wobei mir am meisten Sorgen die Spottinglist und der Kommentar bereiten. Wenigstens hab ich die Hausaufgabe für Literary Translation soweit in Sack und Tüten. War ja skeptisch, ob ich den Kommentar nach ihrer Vorstellung verfasst hab, aber so wie's aussieht, will sie wirklich bloß, dass wir uns was aus den Fingern saugen. Und darin hab ich ja ein bisschen Übung ;)
Die Auswertung meines Tutoriums war auch sehr lustig. Meine Tutorin ist eine englische Germanistikprofessorin, eine richtige knuddelige Omi, die in einem sehr chaotischen Büro haust. Sie war mit meiner Übersetzung sehr zufrieden und hat irgendwie keine konkrete Kritik geäußert, was mich verunsichert. Hab keinen Bock, dass sie mir bei der richtigen Bewertung eins reinwürgt. Wir haben uns dann richtig verquatscht und ich glaube, wenn sie etwas wohnlicher eingerichtet gewesen wäre, hätte sie mir Tee und Gebäck angeboten *lach*

Ich liege noch relativ gut im Zeitplan, was mein Arbeitspensum angeht. Es mag mir im Moment viel erscheinen, aber es lohnt sich dann doch, etwas eher diverse Aufgaben anzugehen, anstatt dann auf den letzten Drücker Panik zu schieben. Mich hat heut tatsächlich eine Kommilitonin gefragt, ob ich schon ein Essaythema hätt. Hm. Den müssen wir nächsten Freitag einreichen, also wäre es angebracht, schon ne Idee zu haben, oder? Gestern hab ich dann meine Bibliographie eingereicht, hatte keinen Nerv mehr, tausendmal drüberzugehen und letztlich mehr Fehler einzufügen als auszumerzen. Jetzt liegt's nicht mehr in meiner Macht.

Besonders ermutigend war es heute trotzdem nicht, von Siobhan zu hören, dass wir uns nicht allzu viel ausrechnen brauchen und schon gut wären, wenn wir an die 60% Marke herankämen. Uff. Da wäre ich an der TU schon nahe am Durchrasseln gewesen mit so ner Note. Ist hier ne heftige Bewertung und mir graut vor dem Tag, an dem wir die Ergebnisse erfahren. Bis dahin hab ich aber genug Arbeit, um meine Gedanken darin zu ertränken. Klasse.

Gestern kam dann auch meine amazon Bestellung an, natürlich Unikram für zwei weitere Assignments für Mitte Dezember, die ich nach dem Untertitel-Kram aktiv in Angriff nehmen werde. Wie buchstabiert man gleich noch mal Pause? Keine Ahnung, ist irgendwie ein Fremdwort geworden.

Aber ich beklage mich nicht, es gibt genug Leute, die's schwerer haben als ich.

Sorry, dass die Einträge hier so unilastig sind, aber irgendwie ist es gerade das Umfeld, wo sich mein Leben abspielt. Um mir mal ne Auszeit zu gönnen, bin ich gestern mit Alizé und Morgane ins Kino gegangen. Fantastic Mr. Fox. Schöner trockener Humor, aber auch nicht DER Brüller. Hat mein Hirn aber wenigstens für 1 1/2 Stunden auf Normalstrom laufen lassen. Nächste Woche gehe ich mit Alizé einen drauf machen. Wollen was trinken und "9" anschauen, weil uns alle anderen faulen Erasmussäcke in der Reading Week im Stich lassen und supertolle Ausflüge nach London & Co machen. *grummel* Und ich krieg schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich Arbeit für ein Filmchen oder eine Plauderrunde mit meinen Mitbewohnern liegen lasse. Apropos: Tina hat heute Geburtstag! Hab sie noch nicht gesehen, aber zwei leckere Brownies samt Kerze im Kühlschrank für sie deponiert. Muffins waren leider aus. Aber ich hoffe, sie freut sich trotzdem, wenn sie gegen Mitternacht aus der Bibliothek gestolpert kommt und sich was zu essen sucht.

Na denn...ich muss mich um Ryan und sein Weihnachtstrauma kümmern. Scheiß OC. Sorry, falls ihr die Serie mögt, aber ich hasse sie jetzt schon.

Bis die Tage!

Stoffi

Samstag, 17. Oktober 2009

The Imaginarium of Doctor Parnassus


Ja, gestern Abend war's soweit - ich habe Heath Ledgers letzter schauspielerischer Performance beigewohnt und jenen Film gesehen, den er leider nie zu Ende gedreht hat. Hm, wo fang ich an? Da ich weiß, dass zumindest Kathy den Film noch sehen möchte, werde ich nicht rumspoilern, aber dennoch versuchen, eine Einschätzung abzuliefern.

Ich muss sagen, dass die Passagen im "Imaginarium" wirklich bildgewaltig waren. Bunt, surrealistisch, überdreht...ein bisschen wie in einem Tim Burton Film. Leider hat zumindest im ersten Drittel des Films die Szenerie mehr im Hier und Jetzt gespielt, was dem Ganzen das Fantastische genommen hat. Der Film hatte in etwa ab der Mitte seine Längen und mir ist Anton als einziger Charakter wirklich auf den Keks gegangen. Generell war aber die schauspielerische Leistung überzeugend, insbesondere Verne Troyer, Tom Waits und Heath haben für zahlreiche Lacher und wirklich gelungene Darstellungen gesorgt. Auch das "Problem" mit dem Darstellerwechsel (Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell haben ja Heaths Part übernommen) war glaubhaft inszeniert, sodass man - hätte man es nicht besser gewusst - hätte glauben können, dass die Rolle ursprünglich auf vier Darsteller verteilt gewesen ist.

Handlungstechnisch hadere ich noch ein bisschen mit mir und weiß nicht, ob ich wirklich Hurra brüllen soll. Eine Offenbarung war es nicht und ich hatte eher den Eindruck, dass die Effekthascherei so zentral war, dass eine logische und überschaubare Handlung zur Nebensache mutiert ist. Am Ende haben sich einige Fragen aufgetan, die keiner so recht beantworten konnte und das Ende hat mir generell...nicht wirklich gut gefallen. Aber das ist wohl Geschmackssache. Bei den Credits war mein kleines Plüschherz noch mal sehr schwer, als auf der Leinwand "A film from Heath Ledger and friends" auftauchte. Menno...wirklich schade...der Kerl ist von Film zu Film brillanter geworden. Na gut...ich glaub, mit dem Joker kann man seine letzte Rolle nicht wirklich vergleichen, aber es war wieder mal eine überzeugende Leistung.

Heute war ich dann noch mal im Sugden Sports Centre n bissl schwitzen und war mittelschwer entsetzt wie viele Leute da waren. Unzählige Teams tummelten sich im Foyer, in den Gängen, bei den Umkleidekabinen, sodass mir schon Böses schwante. War wohl irgendein Turnier, auch wenn mir nicht ganz klar war, zu welcher Sportart. Ich hab da mehrere Basketballteams gesehen und auch Leute mit nem Frisbee...hm...was man von letzterem hält, sei jedem selbst vorbehalten. Zum Glück war die Fitnessecke selbst recht übersichtlich belegt, also stand meinem Workout nichts im Weg. Und jetzt? Jetzt sitze ich am letzten Schliff für meine Bibliographie und gedenke, mir gleich eine heiße Sojamilch mit Honig zu gönnen - Spekulatius inklusive, versteht sich :D

Ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende!

Cheerio

Stoffi